Südostbayerische Rundschau vom 08.09.2011
Verkehrsminister Ramsauer empfing Stipendiatin Magdalena Schwangler nach Rückkehr aus Amerika
Teisendorf (oo). Seit 1983 gibt es das gemeinsam vom US-Kongress und dem Bundestag gestartete parlamentarische Patenschaftsprogramm, kurz: „PPP“ genannt. Es bietet jungen Leuten die Chance, ihre persönlichen Zukunfts- und Karriereaussichten zu verbessern. Alljährlich nominiert daher Wahlkreisabgeordneter und Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer junge Leute aus seinem Wahlkreis für den einjährigen Aufenthalt in Übersee. Jetzt empfing er in seinem Büro in Traunwalchen die Gymnasiastin Magdalena Schwangler aus Teisendorf, die er vor einem Jahr verabschiedet hatte. Soeben zurückgekehrt, zeigte sich im Gespräch mit Ramsauer begeistert: „ Ich habe während meines USA-Aufenthaltes mehr gelernt, als wenn ich in dieser Zeit bei uns die 12. Klasse besucht hätte“, verriet die junge Frau dem Minister und ergänzt: „Ich wäre fast drüben geblieben!“
Weiter schilderte sie, wie sie nach ihrer Ankunft im Bundesstaat Wisconsin eine völlig andere Lebenskultur kennengelernt hat. Dabei seien ihr stets Ansprechpartner zur Seite gestanden. Besonders angetan war sie von der spontanen Freundlichkeit der Amerikaner –auch wenn man diese zuweilen als etwas oberflächlich empfinden könne. Auch sprachlich habe sie die Amerikaner von Anfang an gut verstanden. Im Lauf des Aufenthaltes habe sie sich den Slang der einheimischen Bevölkerung angewöhnt – mit der Folge, dass sie am Tag ihrer Rückkehr nicht mehr richtig bayerisch geredet, sondern immer wieder mit „amerikanischer Zunge“ gesprochen habe, berichtet Magdalena schmunzelnd.
„Anstrengend war dieses Jahr in den USA schon“, erzählt sie. Schließlich sei sie in ein umfangreiches Programm eingebunden gewesen. Dazu hatten auch Besuche in anderen Bundesstaaten und in der Hauptstadt Washington gehört, wo etwa ein Gespräch mit dem Botschafter der Bundesrepublik Deutschland stattfand. Fordernd und anregend sei aber auch der Alltag mit High-School-Besuch gewesen. Neben dem Unterricht gebe es im Rahmen der Schule dort, anders als bei uns, ein außerordentlich großes Angebot von Aktivitäten. so habe sie fünfmal in der Woche ein umfangreiches Sportprogramm absolviert, das an den Jahreszeiten ausgerichtet war. Weitere Aktivitäten, die in Bayern vielfach von den Vereinen angeboten werden, fänden in den USA in der Schule statt.
Nach der abendlichen Heimkehr in die Gastfamilie noch den Unterricht des Tages nachzubereiten und sich auf den nächsten Tag vorzubereiten, das hat die Teisendorferin nach eigenem Bekunden schon als recht fordernd empfunden – letztlich aber doch gemeistert. Auch Facharbeiten und Interviews in englischer Sprache abzuliefern, habe schon einige Mühen gekostet. Hilfreich sei die Herzlichkeit der Mutter und der Humor des Vaters in der Gastfamilie gewesen, sowie deren Hilfsbereitschaft.
Aufgefallen ist der „PPP“-Stipendiatin auch, das in jedem Schulzimmer in Amerika eine Nationalflagge hängt und vor jeder besonderen Veranstaltung auch die Nationalhymne erklingt. Man könne eben Deutschland und die USA nicht vergleichen, Geschichte und Lebenskultur seien zu verschieden, meint sie. Aber sie habe auch gelernt, dass man stolz sein könne auf sein Vaterland, also auch auf Deutschland, das nach dem Zweiten Weltkrieg einen sozialen Rechtsstaat und vieles andere aufgebaut habe. Viele dieser Errungenschaften gebe es in den USA so nicht, auch die Studienkosten seien dort wesentlich höher.
„Trotzdem wird in Deutschland viel mehr gejammert als in Amerika“, ist Magdalena Schwangler aufgefallen. Sie hat nach eigenem Empfinden in den USA fast eine zweite Heimat gefunden und braucht jetzt einen großen Teil ihrer Freizeit, um sowohl die Kontakte mit ihren amerikanischen wie hiesigen Freundinnen zu pflegen. „Meine Tochter ist in diesem Jahr erwachsener geworden“, resümiert Magdalenas Mutter.
„Die jungen Leute sammeln in dem einjährigen Aufenthalt wichtige Erfahrungen“, weiß Bundesminister Peter Ramsauer zu berichten. In amerikanischen Gastfamilien und im unmittelbaren Kontakt mit ihren Mitschülern lernten sie, was die beiden Länder gesellschaftlich, kulturell und politisch verbinde – und unterscheide.
Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert bestätigt das und unterstreicht: „Das parlamentarische Patenschaftsprogramm hat durch aktuelle Entwicklungen noch zusätzliche Bedeutung gewonnen. In einer Zeit neuer und bislang unbekannter Herausforderungen für die transatlantische Gemeinschaft übernehmen die Stipendiaten eine wichtige Rolle als junge Botschafter Deutschlands in den USA. Die geknüpften Kontakte fördern das gegenseitige Verständnis und tragen wirkungsvoll dazu bei, die menschlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika dauerhaft zu stärken.