Sandra Bullock wurde ja kürzlich zur schlechtesten Schauspielerin gekürt und fast gleichzeitig mit dem Oscar ausgezeichnet. Haben Sie schon gratuliert?
Man kann es im Leben nie allen Recht machen. Sobald ein Mensch etwas macht, gibt es jemanden, der ihn dafür lobt und einen, der ihn kritisiert. Meine Familie hat die Oscar-Verleihung live im Fernsehen angeschaut. Und gratuliert haben wir selbstverständlich auch.
Bei Ihrem letzten Besuch in unserem Weinkeller noch als CSU-Landesgruppenchef haben Sie noch das Glos`sche Axiom zitiert, wonach man als Landesgruppenchef nie das Amt eines Bundesministers anstreben sollte. Jetzt sind Sie es doch. Zufrieden?
Auch im Leben eines Politikers hat alles seine Zeit. Mein Amt begeistert mich. Das Amt des Bundesministers für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung ist eines der Schlüsselressorts in der Bundesregierung. Ich verwalte den größten Investitionsetat. Damit kann man eine Menge für das Land tun.
So, wie derzeit die Bundesregierung rüberkommt - Stichwort schwarz-gelb im absoluten Tief - können Sie aber nicht zufrieden sein?
In dieser Koalition wird leidenschaftlich diskutiert. Das ist auch gut so. Streit gehört zur guten Politik. Wir streiten uns nicht um des Streites willen, wir ringen um die beste Lösung für drängende Probleme. Die komfortablen Mehrheitsverhältnisse erlauben da vielleicht im Vergleich zur letzten Regierung einen offeneren Meinungsaustausch. Die knappen Mehrheiten der damaligen schwarz-roten Koalition hatte wiederum eine disziplinierende Wirkung.
Kommen wir zu regionalen Verkehrsthemen: Der Straßenbau kommt voran, A8-Ausbau und B17 bis Landsberg sind erfreulich. Dagegen tritt man bei der Bahn auf die bremse, Stuttgart-Ulm-Augsburg-München entwickelt sich zum Trauerspiel, es geht nichts voran, der Tempo-Ausbau im bereich Ulm-Dinkelscherben lässt auf sich warten. Wie geht es dort weiter?
Das Teilstück Dinkelscherben - Augsburg ist bereits ausgebaut worden. Dort kann schon jetzt bis zu 200 km/h gefahren werden. Die restlichen Teilstrecken der "Magistrale für Europa" sollen in folgender Reihenfolge realisiert werden: Zunächst wird die im Bau befindliche Ausbaustrecke Augsburg - München bis Jahresende 2011 fertig gestellt. Von 2010 bis vsl. 2019 wird der Neubau der Strecke Stuttgart - Wendlingen - Ulm realisiert. Der Ausbau im Abschnitt Ulm - Augsburg auf bis zu 200 km/h sowie das dritte Gleis Neu-Ulm - Neuoffingen sollen folgen. Eine verbindliche Aussage zur zeitlichen Realisierung ist aus heutiger Sicht nicht möglich.
Ebenso wichtig sind Nord- und Allgäu-Anbindung. was tut sich da. Und welchen Stellenwert hat für Sie die Stärkung des Güterverkehrs auf der Schiene?
Die Bundesregierung möchte den Güterverkehr auf der Schiene stärken. Der geltende Bedarfsplan für die Bundesschienenwege sieht für die von Augsburg nach Ingolstadt, Donauwörth und (über Buchloe) ins Allgäu führenden Strecken derzeit keine Ausbaumaßnahmen vor. Für erforderliche Investitionen in Nahverkehrsmaßnahmen erhält Bayern 120 Mio. Euro über 5 Jahre vom Bund. Über deren Verwendung entscheidet der Freistaat eigenständig.
Welche Rolle muss die Bahn insgesamt in der Zukunft spielen? Man hat den Eindruck, der Kunde ist längst nicht mehr König, sondern Bettler. Statt auf die Zufriedenheit der Passagiere zu achten, steht gewinnorientiertes Handeln mit Blick auf einen Börsengang im Blickpunkt.
Wir werden in naher Zukunft erhebliche Zuwächse beim Güterverkehr haben. Das sagen die Prognosen. Wenn wir unsere Klimaschutzziele dennoch erreichen wollen und die Straßen nicht völlig überlastet werden sollen, müssen wir so viel Verkehr wie möglich auf die Schiene verlagern. Die Bahn wird sich dieser Herausforderung stellen. Gleichzeitig wird auch der Eisenbahnverkehr immer internationaler. Deshalb brauchen wir ein wirtschaftlich starkes und erfolgreiches Eisenbahnunternehmen. Wir wollen die 1994 erfolgreich begonnene Bahnreform mit staatlicher Verantwortung für die Infrastruktur und die privatrechtliche Organisation der Deutschen Bahn AG konsequent fortsetzen. Im Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung das Ziel einer Teilprivatisierung festgehalten. Die Voraussetzungen sind dafür allerdings momentan nicht gegeben. Ich bin zudem davon überzeugt, dass die Bahn nur dann auf Dauer erfolgreich sein kann, wenn sie Leistungen anbietet, die dem Kunden dienen. Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Qualität sind die Zielmarken, an denen sich die DB AG messen lassen muss. Bahnchef Grube hat hier bereits eine neue Kundenoffensive gestartet. Das ist der richtige Weg. Ich werde als Vertreter des Eigentümers der DB AG diese Entwicklung im Blick behalten. Wir haben auch den Aufsichtsrat so neu besetzt, dass die Kontrollmöglichkeiten des Bundes im Rahmen des aktienrechtlich Zulässigen gestärkt sind.
Zum in die Luft gehen ist, das Thema Fluganbindung für Augsburg. Das Lechfeld ist gestorben, Memmingen doch recht weit weg von Schwaben Oberzentrum. Ziel müsste also sein, die Anbindung zum Airport München oder nach Stuttgart - wieder das Thema Bahn - attraktiver zu machen. wie stehen hier die Aktien?
Zur Zeit prüfen wir den Schienenknoten München auf seinen Ausbaubedarf für den Fern-, Nah- und Güterverkehr. Dabei werden verschiedene Varianten einer verbesserten Anbindung des Flughafens München untersucht. Die Erreichbarkeit des Flughafens München mit dem Zug von Augsburg aus ist aber bereits jetzt nicht schlecht: Die Fahrzeit von Augsburg Hbf zum Bahnhof München Flughafen Terminal beträgt derzeit mit einmal Umsteigen in München Ost rd. 1½ Stunden. Mit Umsteigen in Laim geht es vielleicht noch schneller. Mit dem Auto sind Sie, sofern Sie unterwegs nicht in einen Stau geraten, nur 10-15 Minuten schneller. Die Zeit für die Parkplatzsuche müssen Sie aber noch dazurechnen. Zum Flughafen Stuttgart benötigen Sie von Augsburg zur Zeit mit dem Zug noch rd. 2½ Stunden - eine Stunde mehr als mit dem Auto. Am 2. Februar war Baustart für das Projekt "Stuttgart 21". Durch den Umbau des Bahnknotens Stuttgart wird der Flughafen Stuttgart an das Fernverkehrsnetz angeschlossen. In Verbindung mit dem Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke Wendlingen - Ulm kann die Bahn künftig von Augsburg aus ähnlich schnell wie der Pkw am Flughafen Stuttgart sein.