Dr. Peter Ramsauer
Mitglied des Bundestags | Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung

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Interviews

Peter Ramsauer ist ein gefragter Interviewpartner und hier erhalten Sie die zahlreichen Interviews zur Ansicht.

Bundesminister Dr. Peter Ramsauer im Interview mit der Monocle (englisches Magazin)

Berlin

Bundesminister Dr. Peter Ramsauer im Interview mit der Monocle (englisches Magazin)

Der Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer an einer Stromzapfsäule (Quelle: bmvbs)

Wie steht Deutschland im Vergleich zu anderen Nationen da, wenn es darum geht, neue, umweltfreundliche, effizientere Verkehrsformen zu entwickeln?

Deutschland ist eine der führenden und am stärksten exportorientierten Wirtschaftsnationen der Welt. Als Bundesverkehrsminister habe ich darum eine ganz zentrale strategische Herausforderung, nämlich Verkehrswege bereit zu stellen, die eine weltweite Vernetzung erlauben: Zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Im ersten halben Jahr habe ich dazu eine Reihe neuer Akzente gesetzt, vor allem: Die internationale Wettbewerbsfähigkeit stärken.

Ein Beispiel?

Ein Beispiel aus dem Luftverkehr. Es ist für uns als Zentraleuropäer sehr wichtig, die großen Flughäfen als internationale Drehkreuze zu erhalten. Hier gibt es zunehmend starke internationale Konkurrenz, etwa aus den Golfstaaten.  Die deutschen Verkehrsflughäfen müssen eng mit den Fluglinien zusammenarbeiten, um den globalen Herausforderungen gewachsen zu sein.  Ich unterstütze deshalb die Initiative Luftverkehr, in der sich die Branche am runden Tisch zusammenfindet.

Immer mehr Menschen leben in Städten, dadurch gibt es immer mehr Verkehrsprobleme. Was tun Sie dagegen?

Ich bin ja nicht nur Verkehrs- sondern auch Bau- und Stadtentwicklungsminister. Und ich nehme diese Entwicklung, dass immer mehr Menschen in Städten leben, nicht als unabänderlich hin. Ich will nicht kapitulieren vor der Verstädterung und Entvölkerung von ländlichen Regionen. Das ist für mich eine fundamentale Fehlentwicklung. Meine unmittelbaren Amtsvorgänger haben beim Begriff Stadtentwicklung immer die Metropolregionen in den Mittelpunkt gestellt, ich lege dagegen Wert auf die Gleichrangigkeit der Entwicklung von Städten und ländlichen Regionen. Eine lebenswerte Metropole und eine gut funktionierende ländliche Region müssen miteinander gut vernetzt sein. Menschen sollen nicht gezwungen werden, gegen ihren Willen in die Metropolen abzuwandern, nur weil auf dem Land die entsprechende Infrastruktur fehlt.

Dann entstehen bald auf den Dörfern auch Elektro-Tankstellen, wie wir sie in manchen deutschen Großstädten schon sehen?

Elektromobilität ist ein ganz großes Thema für uns. Wir wollen 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen haben. Wir fördern die Entwicklung dieser Zukunftstechnologie mit mehr als 2 Milliarden Euro - gemeinsam mit der Industrie. Wir haben zum Beispiel in acht Modellregionen mehr als 150 Forschungsprojekte vergeben, die sich mit dem Thema intensiv befassen. Und da sind Stadt und Land gleichermaßen berücksichtigt. Eine Modellregion ist zum Beispiel 'München und Allgäu' mit der bergigen ländlichen Region, in der neue Formen von Mobilität genauso funktionieren müssen wie in flachen Metropolregionen wie München, Berlin oder Hamburg.

Worum geht es bei der Forschung konkret?

Spannend wird, welche der beiden Basistechnologien, die sich derzeit rasant entwickeln, für welche Region besser geeignet ist. Wahrscheinlich werden in urbanen Zentren wegen der geringen Reichweiten und der Dichte der Ladestationen Elektroautos mit reinem Batterieantrieb ausreichen, für ländliche Regionen aber die Brennstoffzellentechnik besser geeignet sein. Das testen wir in den kommenden anderthalb Jahren.

Die deutschen Autohersteller haben Elektroantriebe ein bisschen verschlafen, oder?

Sie haben vielleicht ein bisschen länger gebraucht, den richtigen Kurs einzuschlagen. Aber wenn wir Deutschen einmal die richtige Entscheidung gefällt haben, setzen wir diese auch mit aller Entschlossenheit um. Und bei der Automobilindustrie ist das nun der Fall. Ein neues Hochtechnologieprodukt zu entwickeln, braucht seine Zeit. In anderen Ländern werden jetzt vielleicht ein paar Tausend herkömmliche Wagen mit Batterien umgerüstet. Aber ich erwarte ein echtes Elektroauto als Massenprodukt. Und damit haben alle deutschen Hersteller bereits begonnen. Wir bauen heute die besten Autos der Welt - künftig müssen wir auch die besten Elektroautos der Welt produzieren.

In anderen Ländern bekommt man wohl einen staatlichen Zuschuss, wenn man ein Elektroauto kauft. Sie sind dagegen. Warum?

Zu einem Zeitpunkt, wo man noch gar nicht weiß, wann ein Serienprodukt auf dem Markt ist, wie es aussieht und was es kostet, bin ich nicht bereit zu sagen: Garantiert gibt's dafür zum Beispiel 2500 Euro pro Kopf vom Staat. Ich will in 10 Jahren mindestens eine Millionen Elektroautos auf der Straße haben, das wären dann allein 2,5 Milliarden Euro an finanziellen Zuschüssen. So etwas kann ich nicht zu einem Zeitpunkt versprechen, an dem wir alle gemeinsam die Folgen der Wirtschaftskrise überwinden müssen. Wir müssen Prioritäten setzen. Wenn ich die Straßen nicht instand halten kann, nutzt mir auch der Kaufanreiz für Elektroautos nichts, die darauf irgendwann fahren sollen.

Ihre Vision: Wie sieht Mobilität in 20 Jahren aus?

Wir sind heute nicht grundsätzlich anders mobil als vor 20 Jahren. Auch wenn der Druck auf Innovationen im Verkehrsbereich heute deutlich größer ist: Wir werden in 20 Jahren immer noch Verbrennungsmotoren auf den Straßen haben. Die Straße wird nach wie vor der Hauptverkehrsträger sein. Die Schiene wird der Straße immer noch nicht ausreichend Kapazitäten weggenommen haben. Das Flugzeug wird ein unverzichtbares Verkehrsmittel sein. Wir werden in Ballungsgebieten immer noch Staus sehen. Aber das Ganze wird wesentlich schadstoffärmer sein und es wird vor allem eine wesentlich bessere Verzahnung zwischen verschiedenen Verkehrsträgern geben.

Was meinen Sie damit?

In Berlin testen wir zum Beispiel gerade mit der Deutschen Bahn und Daimler, den Reisenden am Hauptbahnhof ein Elektroauto anzubieten, um damit den Tag über in der Region die Geschäfte zu erledigen und Abend wieder in den Zug zu steigen. Wir testen auch ein Leihfahrradsystem, womit man mit dem Fahrschein kostenlos ein Fahrrad nutzen kann.

Die Deutsche Bahn hatte zuletzt viel negative Presse: Über Weihnachten blieben ICEs im Eis stecken, in Berlin fiel wegen technischer Probleme wochenlang die halbe S-Bahn aus. Hat die Deutsche Bahn ein Imageproblem?

Weltweit ist deutsches Logistik-Know-How, personifiziert in der Deutschen Bahn, ein Exportrenner. Jüngstes Beispiel der Großauftrag aus Abu Dhabi ...

... zuletzt der Deal über 17 Milliarden Euro aus Katar ...

... und das geht kreuz und quer über den Globus, auch in die USA und China verkaufen wir unsere Technologie. Kunden aus aller Welt sehen ja in England, wohin es führt, wenn man das Netz gegen die Betreiber ausspielt. Oder, dass die SNCF als alter Staatsbetrieb nach wie vor Milliardenverluste macht.

Trotzdem: Was muss geschehen, damit die Bahn wieder in die Spur kommt?

Ich erwarte von der Deutschen Bahn wirtschaftliche Führung, aber auch, dass die Kundenorientierung gewährleistet wird. Dann werden wir das Image des Konzerns wieder verbessern. Täglich sieben Millionen Bahnkunden erwarten Pünktlichkeit, Schnelligkeit, Sauberkeit, Sicherheit und Zuverlässigkeit.

Beim 'International Transport Forum' in Leipzig haben Sie Verkehrsminister-Kollegen aus aller Welt getroffen. Was waren wichtige Themen?

Das ITF wird ja zu Recht verglichen mit dem World Economic Forum in Davos, nur eben für den Verkehrsbereich. Das Motto dieses Jahr war "Innovation": Ein ganz wichtiges Thema - neben Energie-Effizienz und Elektro-Mobilität ist der Lärmschutz, der uns im Deutschland sehr stark beschäftigt und auf Dauer auch weltweit ein Thema werden wird. Wenn wir es schaffen, die preiswerteste und innovativste Lärmschutztechnik zu entwickeln, dann verkaufen wir die auch nach China.

Ist Geschwindigkeit für Sie ein Mittel, um Geschäftsreisende zum Umstieg vom Flugzeug auf die Schiene zu bewegen?

Geschäftsreisende nehmen den Zug, wenn man damit von München nach Berlin in vier Stunden fahren kann. Das erfordert aber immense Anstrengungen bei der Finanzierung aus- oder neu zu bauender Trassen und bei der Akzeptanz der Menschen, die an diesen Strecken leben. Und man muss im Zug arbeiten können: In allen ICEs muss es in Zukunft zum Beispiel durchgehend drahtloses Internet geben.

Wie sorgen Sie persönlich dafür, dass Ihr Carbon Footprint auf den vielen Reisen möglichst gering ist?

Zwischen unseren Ministeriums-Dependancen in Bonn und Berlin wurde früher unheimlich viel geflogen. Heute kommunizieren wir sehr viel stärker über Videokonferenzen. Ich selbst fahre oft Zug, nehme aber auch immer mal das Auto - so kann ich persönlich die Situation auf den Autobahnen in Augenschein nehmen.

Welche Wagen fahren Sie?

Als Dienstwagen habe ich einen 740er BMW-Diesel. Und privat einen Mercedes GL, um meine große Familie unterzubringen. Wenn die Kinder groß sind, tut's auch ein kleinerer Wagen - und irgendwann wird das sicher für die Stadt ein Elektroauto sein.

Fährt ein Verkehrsminister auch mal Fahrrad?

Natürlich. Noch lieber aber Vespa. Meine Frau hat sich vor sechs Jahren eine Vespa zum Geburtstag gewünscht. Mit der fährt nun auch der Verkehrsminister privat zu Hause herum.