Dr. Peter Ramsauer im Interview mit dem Mannheimer Morgen am 29.1.2011
Herr Ramsauer, überlebt das Automobil noch einmal 125 Jahre?
Davon bin ich überzeugt!
Zu Kosten, die für eine breiten Bevölkerungsschicht verkraftbar sind?
Das ist das Ziel. Mobilität muss bezahlbar bleiben. Davon wird auch in Zukunft der Erfolg des Automobils abhängen.
Was rettet seine Zukunft?
Wir brauchen Fahrzeuge, deren Innovationskraft begeistert : Sparsame, effiziente Antriebe gekoppelt mit überzeugendem Design und einem hohen Maß an Sicherheit. Komfort und Fahrspaß dürfen dabei auch in 100 Jahren nicht zu kurz kommen.
Welche Hausaufgaben hat die Autoindustrie zu machen, damit die Erfindung des ehemaligen Mannheimer Unternehmers Carl Benz des Bürgers liebstes Kind bleibt?
Ganz einfach: Sie müssen mit der Zeit gehen. Klar ist: Wir stehen an einer wichtigen Wegmarke. Verkehrswachstum und Klimawandel stellen uns vor neue Herausforderungen, denen sich auch die Automobilindustrie stellen muss. Ich setze bei den Fahrzeugen auf technologische Entwicklungen. Insbesondere bei den Antrieben müssen sie umweltfreundlicher werden. Dank der Innovationskraft der deutschen Automobilindustrie können wir die Mobilität in unserem Land nachhaltig verändern und weiterentwickeln. Und das gilt nicht nur für die Autohersteller selbst, sondern natürlich auch für die vielen Zulieferbetriebe. Gemeinsam mit der deutschen Automobilindustrie können wir dafür sorgen, dass unsere Autos auch in Zukunft die besten der Welt bleiben.
Welchen Stellenwert hat das Auto in Ihrer Verkehrspolitik?
Ich bin angetreten, um Mobilität zu ermöglichen und nicht zu verhindern. Das gilt auch für die Straße. Deshalb habe ich nicht nur die Elektromobilität mit Batterie und Brennstoffzelle zu einem meiner Schwerpunkte gemacht. In den letzten Monaten haben wir auch ganz konkrete Verbesserungen für die Autofahrer in Angriff genommen. In Kraft ist zum Beispiel bereits das begleitete Fahren mit 17. Die Fahrkompetenz der jungen Fahrer wird dadurch gezielt verbessert – um damit die Verkehrssicherheit. Dazu trägt auch die seit Ende 2010 geltende Winterreifenpflicht bei. Damit wollen wir gefährliche Rutschpartien mit schlimmen Folgen verhindern. Eine weitere gute Nachricht besonders für die Oldtimer- und Motorradfahrer: Wir werden im ersten Halbjahr kleinere Nummernschilder einführen, die ein Fahrzeug nicht verunstalten und trotzdem den Sicherheitsvorschriften entsprechen.
Warum investiert der Bund nicht mehr Geld in die Sanierung und den Ausbau des Autobahnnetzes? Der Zustand mancher Strecken ist mittlerweile indiskutabel.
Wir dürfen die Infrastruktur nicht auf Verschleiß fahren, da stimme ich Ihnen zu. Für Autobahnen und Bundesstraßen gilt: Hier gibt der Bund viel Geld aus. In diesem Jahr investieren wir so viel wie nie zuvor in den Erhalt unserer Autobahnen und Bundesstraßen. Die Sparvorgaben des Bundesfinanzministers sind hart und die Konjunkturpakete laufen aus; trotzdem stellen wir 2011 insgesamt 2,2 Milliarden Euro bereit, um Bundesverkehrswege in ihrer Substanz zu erhalten. Das sind 100 Millionen Euro mehr als letztes Jahr. Aber auch beim Aus- und Neubau gehen wir weiter voran. Wir werden neue Finanzierungsquellen erschließen, vor allem durch weitere öffentlich-private Partnerschaften.Vorteil: Es wird schneller gebaut. In den Straßenbau fließen auch die zusätzlichen Mittel aus Lkw-Maut, die in diesem Jahr auf vier- und mehrspurige Bundesstraßen ausgeweitet wird.
Wann kommt die PKW-Maut?
Ich habe keinen Auftrag aus dem Koalitionsvertrag, eine Pkw-Maut einzuführen.
Wenn teure Spritpreise die Volksseele zum Kochen bringen, wird dem Bürger gerne suggeriert, die Politik könne die Mineralölkonzerne zur Preisvernunft bringen Märchen oder Fakt?
Die Mineralölkonzerne müssen begründen, warum die Preise steigen. Das Kartellamt beobachtet die Entwicklung genau und wird den Unternehmen wenn nötig auf die Finger klopfen.
Der Walldorfer SAP-Konzern testet eine Fahrzeugflotte mit Elektroantrieb. Wie lange darf es dauern, bis Elektroautos für eine breite Käuferschicht erschwinglich sind und die Technologie alltagstauglich ist?
Zunächst einmal: Elektromobilität wird nicht über Nacht kommen. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen. E-Fahrzeuge in größerer Stückzahl wird es laut Angaben der Automobilindustrie erst ab 2013/2014 zu kaufen geben. Noch sind wir in der Marktvorbereitungsphase. Deshalb fördert mein Haus zunächst die Forschung und Entwicklung marktfähiger und vor allem alltagstauglicher Produkte. Gut 2 Milliarden Euro stehen uns für die Elektromobilität mit Batterie und Brennstoffzelle zur Verfügung. In unseren acht Modellregionen läuft mit über 200 Projekten bereits der große Praxistest. Dort sammeln wir wichtige Erkenntnisse und Erfahrungen. Wir sind Europas wichtigster Automobilstandort. Wir stehen nun vor der Aufgabe und uns bietet sich gleichzeitig die Chance, dieser Technologie den entscheidenden Impuls zu geben. Daran arbeiten wir.
Das Traumauto des Privatmannes Peter Ramsauer ist.......?
Ich wünsche mir langfristig ein Elektrofahrzeug, dass einem herkömmlichen Auto in nichts nachsteht. Ein bezahlbares, sicheres Auto, mit dem auch eine Familie mit Kindern in den Urlaub fahren kann.